Hoher Besuch in unserem Dojo am 26.09.2006
Für Alle, die am 26.09.2006, am späten Dienstagabend im Training waren, war es und ein ganz besonderer Tag: Wir hatten hohen Besuch von Sensei Hiromasa Setamatsu, der uns nicht nur eine Kostprobe seiner erstaunlichen Fähigkeiten gegeben hat, sondern wir durften auch mit ihm erste Freundschaft schließen und nach dem Training im vertrauten Kreis viele Fragen stellen.Welch unglaubliche Ehre: Dieser große Meister kommt das erste Mal von Japan nach Deutschland und besucht unser Dojo im Keller des TSV Gräfelfings! Wie auf seiner Web-Seite (http://setamatsu-karatedo.net) zu erfahren ist, wurde Sensei 1925 geboren und wuchs in Hokkaido auf. Seit seiner Kindheit trainierte er Kendo und Karate. Den Krieg überlebte er als Pilot der japanischen Luftwaffe. Im Jahr 1948 traf er auf Hironori Ohtsuka, den Gründer des Wadoryu-Stils. Beeindruckt von Ohtsuka-Senseis Techniken wurde er sein Schüler. Nachdem er dazu beigetragen hatte Wadoryu in Hokkaido zu etablieren, kam er 1958 nach Tokio. Dort unterrichtete er neben seiner beruflichen Betätigung in zahlreichen Universitäten und Dojos. Sein technisches Können und sein ernster Charakter führte ihm eine große Zahl Schüler zu. Inzwischen ist er im Ruhestand und hat es sich zur Aufgabe gemacht alle Karate zu lehren, die von ihm lernen möchten. Auf der Web-Seite stehen auch interessante Fotos und Videos sowie eine Vorstellung seiner DVD zur Verfügung, ein Besuch lohnt sich.
Sensei Setamatsu hat sich von uns bei seinem Besuch zunächst eine Kihon- und Kata-Auswahl vorführen lassen; später ging er im Bezug zu unsere Vorführung auf einige Prinzipien seines Karate ein, dabei war der Stilunterschied keinen Moment von Bedeutung.

Hiromasa Setamatsu, 8. Dan WADO-RYU
Er betonte zunächst die Wichtigkeit des richtigen Ausweichens, es ist z.B. darauf zu achten, die Ausweichbewegung zu minimieren (kein großer Schritt, eine Fußdrehung oder Abducken reicht!) und für die eigenen Zwecke zu nutzen (in den Gegner hineinfließen), dabei kann man sich immer vorstellen, dass der Gegner seine Angriffe mit einem Messer ausführt! Äußerst beeindruckend war hierbei die Balance und Präzision der Technik von Sensei Setamatsu. Betont wurden weiterhin der Gegenläufer als Führung und Verstärkung der Handtechnik, die Wichtigkeit der geraden Bewegung, das späte Drehen des Unterarms (z.B. beim Fauststoß) sowie die stets entgegen gesetzte Ausrichtung der Handflächen (zur Stabilisierung). Nach der Vergegenwärtigung dieser Grundlagen zeigte Sensei wie das feste Schema der Einzeltechnik in einem Fluss sich gegenseitig unterstützender Techniken aufgelöst werden kann; - das war dann der magische Teil Vorführung... Die Geschwindigkeit und Schärfe der Techniken verdeutlichte uns Allen, dass ein Konzept mit harten, festen Einzeltechniken nicht vergleichbar ist.
Zum Abschluss des Trainings gab es noch die obligatorischen Fotos; besonders beeindruckend war auch hierbei die tiefe Bescheidenheit und Freundlichkeit dieses höflichen Mannes. Vorbildlich bleibt Sensei Setamatsu uns Allen in Erinnerung und auch einige seiner Weisheiten, die er uns mitteilte: Z.B. zum Hintergrund seiner Bekanntschaft zu Kenzo Hirokazu Kanasawa; seine Meinung zu hohen Fußtritten; was sich in den letzten 60 Jahren im Karate veränderte hat etc.
Herzlich danken möchten wir Moritz Bürck, der nicht nur die Organisation des Besuchs übernommen hat, sondern auch ganz hervorragend übersetzt hat!
Hier noch ein paar sinngemäße Zitate des Sensei:
„Dies ist mein Karate, aber es geht noch besser! Wenn Ihr Deutschen Eure Innovativität einbringt, kann aus Karate wirklich etwas Gutes werden!“
„Gutes Training ist wichtig, viele Freunde sind wichtiger!"
(1.10.2006)
Rainer Bohrer